Deutsche
Epilepsievereinigung

Ketogene Diät

Die ketogene Diät (KD) hat ihren Ursprung in der Beobachtung, dass manche Kinder unter Fastenbedingun-gen weniger Anfälle haben. Obwohl diese Erfahrung aus dem Jahr 1921 stammt, hat sich die Anwendung der KD in der Epilepsie-Behandlung bis heute nicht als etablierte Therapie-Alternative oder Therapie-Ergänzung durchgesetzt. Dies gilt insbesondere für die europäischen Länder, während die KD in den USA sehr viel häufiger eingesetzt wird. Der genaue Wirkungs-Mechanismus der KD ist nicht bekannt, dies gilt ja auch für eine Vielzahl der zur Be-handlung eingesetzten Medikamente. Möglicherweise wird dem Gehirn durch eine Veränderung des Stoff-wechsels Energie zur Verfügung gestellt, die zur Stabilisierung der hirnelektrischen Aktivität führt. Für zwei seltene Stoffwechselstörungen, die unerkannt und unbehandelt zu einer schweren Entwicklungsstörung und therapieresistenten Anfällen führen, stellt die KD heute die einzige und unverzichtbare Behandlung dar; dar-um ist es erforderlich, diese Ursachen einer Epilepsie immer auszuschließen. Es sind dies der Pyruvat-Dehydrogenase-Mangel und der Glucose-Transporter-Defekt (GLUT 1).

Die Durchführung einer Behandlung mit KD ist an ein kompetentes Team aus Diätassistentin, Schwester und Arzt gebunden; die Einleitung erfolgt unter stationären Bedingungen mit intensiver Überwachung der Stoff-wechselbelastung durch den Austausch von Kohlenhydraten und Eiweiß durch Fette. Dieser Austausch kann in verschiedenen "Schweregraden" durchgeführt werden, je nach Verträglichkeit und positiver Auswir-kung auf die Anfälle. Unverzichtbar ist ein intensives Training der gesamten Familie in einem kreativen und zugleich gewissenhaften Umgang mit der Diät. Die betroffenen Kinder und Jugendlichen nehmen die nicht sehr schmackhafte KD dennoch meist sehr gut an, da sie eine Verbesserung ihres Wohlbefindens und eine Anfallsminderung erleben.

Der Erfolg in der Rückbildung der Anfälle wird je nach Alter und Epilepsie-Syndrom unterschiedlich angege-ben; Studien weltweit variieren hinsichtlich einer mindestens 50%igen Anfalls-Reduktion von 25 bis 90%. Eine Erfolgsbewertung ist frühestens nach 2 Monaten korrekter Diäteinhaltung möglich; die Fortführung der KD ist dann für mindestens 2 Jahre unter streng einzuhaltenden regelmäßigen und umfassenden Kontrollun-tersuchungen in spezialisierten Kliniken erforderlich. Auch bei positiver Entwicklung der Epilepsie können bedeutsame Nebenwirkungen auftreten, die eine Anpassung der Diät oder gar ein Beenden der KD erfor-dern.

Eine "Fertig-Diät" existiert nicht, sondern die tägliche Ernährung muß unter Kenntnis der Erfordernisse an Kalorien, Vitaminen, Spurenelementen etc. individuell und nach dem Protokoll für das Gewichts-Verhältnis von Fett zu Kohlenhydraten und Eiweiß (zwischen 4:1 bis 2:1) zusammengestellt werden. Rücksprachen mit dem Klinikteam und kontinuierliche Beratung durch die Diät-Assistentin sind insbesondere zu Beginn der KD zu Hause unverzichtbar.

Die DE ist bemüht, Ansprechpartner in spezialisierten Kliniken der einzelnen Bundesländer zu finden und zusammenzustellen, um für die KD auch in Deutschland eine weitere Anwendung zu realisieren.

 

Dr. med. Birgit Walther, Epilepsie Zentrum Berlin Brandenburg

 

 

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